1. FC Nürnberg feiert nach Nervenschlacht zwölften Meistertitel
"Oh wie ist das schön" feierten die Nürnberger Fans nach dem
Schlußpfiff und auch die gut 200 mitgereisten Leverkusener Fans
klatschten beiden Teams Beifall. Die Zuschauer hatten zuvor ien
packendes und von unlaublichem Tempo geprägtes Rückspiel des Finals um
die deutsche Meisterschaft gesehen. Als DHB-Vizepräsident Rainer Witte,
HBVF-Vorstandsmitglied Thomas Pientka und Bundestrainer Armin Emrich
die Meisterehrung übernahmen und FCN-Kapitänin Kathrin Blacha den
Meisterpokal überreichten, war die Feier bereits im vollen Gange. Die
Leverkusener Spielerinnen ließen unterdessen niedergeschlagen die
Ehrung als Vizemeister über sich ergehen, die Enttäuschung war den
Spielerinnen deutlich anzumerken. Auch im zwanzigsten Anlauf ist es
nicht gelungen, die Meisterschaft erneut an den Rhein zu holen.
Dabei standen die Vorzeichen nach dem verdienten 30:25 aus dem
Hinspiel günstig für Leverkusen, die Stadt hatte für den Sonntag sogar
bereits einen Empfang und eine Meisterfeier angekündigt. Doch Herbert
Müller war es erneut gelungen, seine Mannschaft noch einmal aufzubauen
und diese trotz des über den Verein schwebenden Damoklesschwerts des
Lizenzentzugs bis in die Haarspitzen zu motivieren. Aber auch
Leverkusen begann aggressiv und so sahen die Zuschauer von der ersten
Minute an eine intensive, rasante und leidenschaftlich geführte
Begegnung. Miriam Simakova erzielte den ersten Treffer des Abends, doch
mit einer sehenswerten Einzelleistung gelang Nadine Krause umgehend der
Ausgleich. Doch während die Leverkusenerinnen den Nürnberger Rückraum
zunächst gut im Griff hatten, hebelte Kreisläuferin Kathrin Blacha die
Deckung der Gäste ein ums andere Mal aus. Durch das Auflösen am Kreis
schuf sie Räume, traf selbst und erkämpfte Siebenmeter. Einen dieser
Strafwürfe verwandelte Serpil Iskenderoglu zum 4:2 und ließ so bereits
in der fünften Spielminute die Hoffnungen der Nürnbergerinnen steigen.
Leverkusen ließ sich aber nicht abschütteln, vor allem die
Schlagwürfe von Heike Ahlgrimm und die Einzelaktion von Michaela
Seiffert sowie die aufmerksame Deckungsarbeit hielten die Gäste bis zum
10:9 im Spiel und auch als Glankovicova die immer stärker werdende
Gubova traf und Ahlgrimm den Abpraller direkt zum 12:10 ins Nürnberger
Tor beförderte, betrug der Vorsprung der Leverkusenerinnen in der
Addition weiterhin drei Tore. Doch gerade Gubova, die nach kurzer
Behandlungspause weiter spielen konnte, wurde nun zu einem weiteren
Pluspunkt für die Hausherrinnen. Auch dank ihrer Paraden wuchs der
Vorsprung der Nürnbergerinnen weiter an und nach einem Simakova-Treffer
zum 16:11 war der Rückstand aus dem Hinspiel ausgeglichen, 37. Minuten
vor Spielende stand es wieder 0:0. Nürnberg schien den Schwung aber
nutzen zu können, beim 19:12 und 21:14 führten die Clubberinnen bereits
mit sieben Toren, bevor Neukamp und Krause den entscheidenden
Fünf-Tore-Abstand mit ihren Treffern zum 21:16-Pausenstand wieder
herstellten.
Im zweiten Abschnitt änderte sich nur wenig am Spiel, sowohl
Renate Wolf wie auch Herbert Müller forderten weiterhin unnachgiebig
das Tempospiel von ihren Teams und diese gingen im letzten Saisonspiel
bis an die Grenzen und vielleicht sogar darüber hinaus. Nadine Krause
gelang zwar per Strafwurf das 21:17, doch das Pendel schien sich danach
wieder in Richtung Nürnberg zu neigen. Die an den Kreis eingelaufene
Ania Rösler sorgte in Überzahl mit dem 24:17 für die erneute
Sieben-Tore-Führung, die Nürnberg auch in der Addition mit zwei
Treffern vorne liegen ließ. Leverkusen setzte weiterhin auf das Tempo,
doch Katrin Engel, zunächst mit Wucht unter die Latte und danach im
Gegenstoß, mit einem Doppelschlag und Iskenderoglu mit einem weiteren
sicher verwandelten Siebenmeter ließen den Abstand beim 29:20 auf neun
Tore anwachsen und auch nach dem 31:22 durch Iskenderoglu und dem 32:23
durch Franzi Beck steuerte Nürnberg scheinbar sicher in Richtung
deutscher Meisterschaft.
Leverkusen ergab sich aber keineswegs in sein Schicksal, die
Gäste gingen das Tempo weiterhin mit und bemühten sich mit aller
Vehemenz gegen den drohenden Verlust der Meisterschaft. Ein Steal von
Sabrina Neukamp, die in einen Nürnberger Abwurf spritzte, und ein
Doppelschlag der immer mehr Verantwortung übernehmenden Glankovicova
brachten die Leverkusenerinnen wieder auf 35:28 heran, zwei
Simakova-Treffer verhinderten aber in dieser Phase ein weiteres
verkürzen. Ihr Treffer zum 35:27 acht Minuten vor Spielende schien ein
weiterer Baustein auf dem Weg zur Nürnberger Meisterschaft zu sein,
doch nun kam Leverkusen auf. Glankovicova und Anne Müller sorgten für
das 35:29 und Michaela Seiffert holte dann einen Siebenmeter und eine
Zeitstrafe gegen Nürnberg heraus. Das verstärkt auf die Nahtstellen der
Nürnberger Deckung Ziehen schien sich auszuzahlen. Doch nach dem zuvor
Nadine Krause gescheitert war, scheiterte nun Loerper am Pfosten. Auch
die Überzahl verstrich ungenutzt, doch bei numerischer Gleichzahl
erzielte Glankovicova das 35:30, nun hatte Leverkusen wieder die Hand
an der Meisterschaft.
Auch nach Ahlgrimms Schlagwurf zum 36:31 zeigten sich die
Leverkusener Fans noch optimistisch, doch das bessere Ende sollten die
Nürnbergerinnen auf ihrer Seite haben. Simakova erzielte das 37:31 und
brachte damit den FCN in der Addition wieder nach vorne. Auf der
Gegenseite entschied das souveräne Gespann Lars Geipel und Marcus
Helbig auf Siebenmeter für Leverkusen, wieder war Glankovicova in die
Lücke zwischen zwei Abwehrspielerinnen gezogen. Die nach Dänemark
wechselnde Nationalspielerin Nadine Krause übernahm Verantwortung und
schritt an die Linie. Im Tor postierte sich unterdessen Sylvia
Harlander und diese hatte den richtigen Riecher. Harlander tauchte in
ihr rechtes unteres Eck ab und parierte den Wurf. Auf der Gegenseite
ebenfalls ein Siebenmter und diesen nutzt Iskenderoglu eiskalt zum
38:31. Leverkusen lief nun die Zeit davon, ein Fehlwurf besiegelte dann
endgültig die Niederlage, dreißig Sekunden vor Spielende kam Nürnberg
noch einmal in Ballbesitz und ließ sich diesen nicht mehr nehmen. Mit
der Schlußsirene bekam Nürnberg sogar noch einen Siebenmeter
zugesprochen, dies ging allerdings bereits im Jubel der Spielerinnen
unter, so dass auf seine Ausführung verzichtet wurde. Während die
Leverkusenerinnen wie paralysiert auf und neben dem Feld standen und
saßen feierten die Nürnbergerinnen ihren Sieg mit Sektduschen und
Jubeltänzen.

Bayer Leverkusen gratuliert dem 1. FC Nürnberg
Photo: Christopher Monz
Stimmen nach der Entscheidung:
Herbert Müller (Trainer 1. FC Nürnberg): "Ich habe am Dienstag gedacht, das Spiel verlieren wir mit zehn Treffern. Alle waren am Boden, verbittert, müde. Nun war Leverkusen mit dem Ergebnis noch gut bedient. Wir sind ein verdienter Meister."
Renate Wolf (Trainerin Bayer Leverkusen): „Die Enttäuschung ist für uns alle groß. Aber es ist ein Moment, der gehört zum Sport dazu und da muss man Größe zeigen. Nürnberg war einfach besser als wir. Meine Mannschaft hat nicht das Optimum abgerufen. Wir hatten am Ende die Chance auf der Hand, aber wenn man dann an den Nerven oder der Torhüterin scheitert, muss man es anerkennen. Aber natürlich wird es noch dauern, bis wir das verdaut haben, dass unser großer Traum einfach zerplatzt ist.“
Nadine Krause (Spielerin Bayer Leverkusen): „Ich bin riesig enttäuscht. Ich kann mir das alles nicht erklären. Ich wollte mich mit einem Titel nach Dänemark verabschieden, aber es hat nicht geklappt. Ich bin riesig enttäuscht, dass wir es nicht geschafft haben. Ich kann nicht sagen, warum es bei uns nicht lief.“
Heike Ahlgrimm (Spielerin Bayer Leverkusen): „Es ist einfach nur Leere. Wir waren heute schlecht, wir haben es uns selber zu zuschreiben. Nürnberg war heute besser und hat verdient gewonnen. Wir hatten alle Karten auf unserer Seite. Wir haben die erste Viertelstunde gut mitgehalten, aber danach nicht mehr. Wir müssen das jetzt erstmal verkraften und dann machen wir es hoffentlich im nächsten Jahr besser.“
Anne Müller(Spielerin Bayer Leverkusen): „Ich bin total enttäuscht und traurig. Unser Traum ist geplatzt. Wir waren nicht aggressiv genug. Wir waren letztes Jahr Vize, wollten es dieses Jahr besser machen und sind wieder Vize – davon können wir uns überhaupt nichts kaufen.“
Armin Emrich(Bundestrainer): "Es waren zwei tolle hochklassige und hochdramatische Finals, die eine Fernseh- Übertragung gerechtfertigt hätten. In der Endabrechnung war Nürnberg der glückliche Sieger."

Deutscher Meister 2007: 1. FC Nürnberg
Photo: Christopher Monz
Autor: Christian Ciemalla - hbvf.de