Außenseiter im Höllenspektakel

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Foto: Kardes

Leverkusen - Irgendwie wollte den russischen Handballerinnen von Zvezda Zvenigorod und ihrem Betreuerstab im Anschluss an die 21:23-Niederlage im Hinspiel des EHF-Cup-Halbfinales bei Bayer 04 Leverkusen das Essen nicht recht schmecken. Deren Trainer Trefilov schaute derweil drein, als hätte man ihm gerade mitgeteilt, dass er fortan Rhythmische Sportgymnastinnen trainieren müsste. In den zuvor zurückgelegten 60 Minuten erweckte seine Mannschaft den Eindruck, als hätte sie die Leverkusenerinnen nicht ganz ernst genommen. Und als das Bewusstsein da war, ging es nur noch um Schadensbegrenzung.

Zvezda erlitt in Leverkusen die erste Niederlage im laufenden Europacup-Wettbewerb und durfte letztendlich froh sein, dass diese nicht wesentlich höher ausgefallen war. Das Polster für Bayer ist doch ziemlich dünn, zumal am Samstag (15 Uhr nach deutscher Zeit) in der Halle in Zvenigorod einiges los sein wird. „Ich rechne mit 3000 Zuschauern, die ein Höllenspektakel veranstalten werden. Aber wir werden uns deshalb nicht in die Hose machen. In der Vergangenheit haben gerade in solch einer Atmosphäre immer recht gut ausgesehen“, erklärt Bayer-Trainerin Renate Wolf.

Trotzdem ist sie sich bewusst, was ihr Team wird leisten müssen, um für das „Wunder von Zvenigorod“ zu sorgen: „Der Schlüssel wird wieder unsere offensive Abwehr sein. Wenn die einzelnen Rädchen ineinander greifen, werden wir eine Chance haben, aber nur dann.“ Die Russinnen werden mit einer gewaltigen Portion Wut im Bauch alles daran setzen, die Schmach aus dem Hinspiel wett zu machen, zumal sie von der eigenen Presse für die überraschende Niederlage geradezu verhöhnt wurden. „Die haben sicherlich schlecht gespielt, auch weil sie uns unterschätzt haben. Wir müssen realistisch sehen, dass Zvezda trotz unserer zwei Tore Vorsprung klar im Vorteil ist“, räumt Renate Wolf unumwunden ein.

Immerhin kann Bayer in stärkster Formation in der Kleinstadt nahe Moskau antreten. Bis auf Lyn Byl und Torwartrainer Andreas Thiel, die erst am Samstag anreisen können, trifft sich der Bayer-Tross heute Morgen bereits um vier Uhr. Um 6.30 Uhr geht dann der Flug nach Moskau. Mit dabei ist dann auch Yvonne Fillgert, die im Hinspiel eine famose Leistung ablieferte. Für die 31-jährige Mutter einer zweijährigen Tochter bedeutet das dann wieder mal ein Abschied für zwei Tage von der Familie. „Irgendwie bekommen wir das immer hin. Mein Mann und beide Familien kümmern sich dann um die Kleine. Das funktioniert ganz gut“, erklärt Yvonne Fillgert. Und das Wiedersehen am Sonntagmittag wäre mit einem sportlichen Erfolg im Koffer sicherlich noch schöner.


Autor: Frank Graf / ksta.de
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