Die Bayer - Elfen am Sonntag in Göppingen
„Wir leben noch“ war in aller Munde nach dem überraschenden Sieg Göppingens gegen Buxtehude vor drei Wochen. Einer zweiwöchigen Spielpause folgte dann die 30:41-Niederlage beim mit guten Rückraumspielern gesegneten Frankfurter HC. Mit vierzehn Abspielfehlern machten sich die nur kämpferisch überzeugenden Schwaben in diesem Spiel selbst die größten Probleme, hinzu gesellte sich eine wenig überzeugende Abwehrarbeit. Nun kommt am Sonntag um 16 Uhr mit Bayer Leverkusen eine noch größere Nummer der Liga zum Aufsteiger.
Die Rheinländerinnen haben sich fünf Spieltage vor Ende der Hauptrunde mit zehn Punkten Vorsprung auf Rang fünf bereits fast sicher für die Play-offs der Liga qualifiziert, Göppingen ringt hingegen weiter um den Klassenerhalt. Im Göppinger Lager hofft man daher auf eine ähnliche Leistung wie im Hinspiel, als man der Truppe von Renate Wolf nur knapp unterlag.
26:27 hieß es am Nationalfeiertag in Leverkusen. Der Mittelhandbruch und Ausfall von Jessica Schulz brachte damals die Gastgeberinnen schlussendlich auf die Siegerstraße. Zuvor hatte Göppingen einen 18:12-Rückstand egalisiert. Eine weitere wichtige Göppinger Spielerin, die Leverkusen am Kreis sehr gut beschäftigte und elfmal traf, wird am Sonntag fehlen: Christine Dangel laboriert an einem Nasenbeinbruch und fällt wohl noch mindestens einen Monat aus. Ihre Stellvertreterin Katrin Schröder konnte bisher im Angriff noch nicht restlos überzeugen. Bei Göppingen muss gegen die Hochkaräter aus Leverkusen daher weiter der Teamgedanke vorne stehen. Abstimmungsfehler wie in Frankfurt sollten minimiert werden - auch mit Blick auf das Torverhältnis, das bei Punktgleichheit vielleicht zwischen Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden kann.
Sorgen, die man in Leverkusen nicht kennt. Beim Tabellendritten müsste in den verbleibenden fünf Partien einiges schief gehen, um die Qualifikation für die Play-offs noch zu verpassen. Zu groß ist der Vorsprung gegenüber dem Thüringer HC, zehn Punkte trennen den Dritten vom Fünften, der Göppingen mit der Niederlage in Blomberg das Überleben noch etwas schwerer gemacht hat. Mit Nadine Krause hat Bayer die zweitbeste Torschützin der Liga und „Handballerin des Jahres“ in seinen Reihen. Neben dem Torhüterduo Woltering und Englert sind Anne Müller am Kreis, Michaela Seiffert und Anna Loerper im Rückraum sowie Sabrina Neukamp auf Rechtsaußen ebenfalls in der Nationalmannschaft gesetzt. Englert (Daumen) und Neukamp (Rücken) fallen allerdings derzeit aus. Für die verletzte Gesine Paulus (Oberschenkelfraktur) wurde Diane Roelofsen von VfL Wolfsburg verpflichtet.
Mit Leverkusen kommt also eine mit guten Einzelspielern besetzte Mannschaft nach Göppingen, die nichts mehr zu verlieren hat und ein paar Verletzte kompensieren muss. Der mangelnde Druck hat sich beim Team von Renate Wolf zuletzt gegen Ketsch nur in der ersten Hälfte negativ ausgewirkt. Vor allem die mangelnde Chancenauswertung der Werkselfen ließ die Badenerinnen kurz vor der Pause noch mit 12:10 dran sein, ehe sich die Gastgeber - vor allem dank der Aktionen der eingewechselten Anna Loerper - binnen sechs Minuten eine 18:11-Führung erspielten. Neben Loerper und Krause war es vor allem Denisa Glankovicova im rechten Rückraum, die mit ihren acht Toren den letztendlich deutlichen 35:23-Erfolg Leverkusens sicherte. Der Zwischenspurt vor der Pause macht deutlich, dass an Göppingens Kampfkraft und Konzentration gegen die Werkselfen hohe Anforderungen gestellt werden.
Autor: Felix Buß