Gute Ausgangsposition trotz Niederlage in Saporoschje
Leverkusen - Die Bundesliga-Handballdamen von Bayer 04 Leverkusen haben ihr Ziel erreicht, in Saporoschje eine gute bis sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel zu schaffen. Zwar unterlag das Team von Trainerin Renate Wolf in der Ukraine mit 26:27 nach 14:12-Halbzeitführung, doch Wolf ist sich sicher, dass die Weichen für das Erreichen des Halbfinales im EHF-Cup gestellt sind: "Wir haben nun alle Möglichkeiten, am kommenden Samstag in eigener Halle alles klar zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Ein Tor Rückstand ist im Handball praktisch nichts."
Vor gut 2500 frenetischen Zuschauern ließ sich Bayer nie ins Bockshorn jagen und hielt nahezu jederzeit dagegen, ohne dabei über sich hinauswachsen zu müssen. Nach 20 Minuten lagen die Gäste sogar mit drei Toren in Front, schafften es jedoch nicht, das Polster zu halten oder gar zu verbessern. Dabei sah es recht gut aus, nachdem schon nach rund zehn Minuten eine wichtige Rückraumakteurin von Motor nach einem üblen Foul an Nadine Krause Rot sah und fortan zurecht zuschauen musste. "Das war für die sicherlich eine Schwächung und hat es uns erleichtert, mit nicht all zu großem Kraftaufwand über die Runden zu kommen", so Wolf.
Gegen eine robuste und reaktionsschnelle Bayer-Abwehr tat sich Saporoschje schwer, konnte nur selten einmal den Druck ausüben, den Renate Wolf eigentlich befürchtet hatte. Selbst einige merkwürdige Entscheidungen der Schiedsrichter warfen Leverkusen nicht aus der Bahn. "Darauf waren wir auch vorbereitet. Wenn eine Westmannschaft im Osten spielt, passiert es fast immer, dass die Heimmannschaft bevorteilt wird", meinte Wolf. Sehr auffällig agierte Michaela Seiffert, der acht Treffer gelangen, und die auch ansonsten immer Gefahr ausstrahlte. Auch Anne Müller (hinten und vorne stark) sowie Lyn Byl, die in der Deckung ordentlich zupackte, verdienten sich ein Sonderlob.
Alles in allem waren die Leverkusenerinnen dann aber auch froh, Saporoschje wieder verlassen zu können. "Da werde ich ganz sicherlich nie einen Urlaub verbringen. Abgesehen von der unsympathischen Atmosphäre nervt es mich gewaltig, wie man dort als Frau behandelt wird", ereiferte sich die Trainerin. So kam es, dass grundsätzlich die männlichen Mitglieder der Bayer-Delegation von den Gastgebern angesprochen wurden. Die interessierte es nicht die Bohne, dass Wolf der Coach war, und nicht etwa ein Andreas Thiel.
Bayer 04: Englert, Woltering - Fillgert (2), Müller (5), Seiffert (8), Glankovicova (3), Krause (5), Neukamp, Ahlgrimm (1), Loerper, Byl (2).
Autor: Frank Graf / KStA