Interview mit Nürnbergs Trainer Herbert Müller

Trotz der Probleme abseits des sportlichen Geschehens hat Herbert Müller mit dem 1. FC Nürnberg den Einzug in das Finale um die deutsche Meisterschaft mit zwei Siegen gegen Trier sichergestellt. Am Samstag muss Nürnberg zunächst auswärts in Leverkusen antreten, vor denen Müller großen Respekt äußert: "Es werden zwei spannende Spiele, die Duelle zwischen uns waren schon immer sehr eng, sehr kampfbetont", freut sich Müller auf die bevorstehenden Duelle mit dem Team von Renate Wolf.


Mit einem 39:26 Kantersieg im Halbfinalrückspiel gegen Trier ist ihre Mannschaft ins Finale gestürmt, ist der 1. FC Nürnberg pünktlich zum Finale um die Deutsche Meisterschaft topfit?

Herbert Müller:
Wir haben schon die ganze Runde und dabei vor allem die Rückrunde sehr konstant und sehr gut gespielt. Das wir eine zu Null Rückrunde spielen hat sicher keiner von uns vorher erwartet, auch gegen Trier mit zwei Siegen ins Finale einzuziehen war nicht selbstverständlich, wenn man sieht was bei uns um die Mannschaft herum grade alles passiert.

Sie haben Ihren Gegner Bayer Leverkusen nach deren 1. Halbfinalsieg gegen den HC Leipzig vorhergesagt. Warum waren Sie sich so sicher das Leverkusen es schafft?

Herbert Müller:
Für mich war der Erfolg von Leverkusen gegen Leipzig keine Überraschung, ich habe bereits vor der Saison Leverkusen als Topfavorit auf die Meisterschaft genannt. Sie sind in den letzten Jahren gewachsen, haben einen breiten Kader und die meisten deutschen Nationalspielerinnen, dazu mit den beiden Torhüterinnen und Nadine Krause alles überragende Spielerinnen.

Hätten Sie lieber den HC Leipzig als Gegner im Finale gesehen, als Revanche für das unglückliche Pokalaus im Halbfinale von Riesa nach Siebenmeter-Werfen?

Herbert Müller:
Es wäre natürlich schön gewesen gegen Leipzig Revanche zu nehmen, zumal sie noch amtierender deutscher Meister sind. Aber die zwei stärksten Mannschaften sollen ins Endspiel kommen, und das sind nun einmal Leverkusen und Nürnberg.

Wie schätzen Sie Ihren Gegner Leverkusen ein?

Herbert Müller:
Leverkusen ist eine spielerisch sehr starke Mannschaft. Es werden zwei spannende Spiele, die Duelle zwischen uns waren schon immer sehr eng, sehr kampfbetont. Im Gegensatz zu der Tendenz in der Liga sind bei unseren Spielen gegen Leverkusen auch gar nicht so viele Tore gefallen, wir sind eigentlich immer unter unserem Schnitt geblieben, das spricht für starke Abwehrformationen.

Wie sieht ihre personelle Situation vor dem Finale aus?

Herbert Müller:
Christina Rohde fehlt uns natürlich nach ihrem Achillessehenabriss extrem. Ihr hätte ich vor allem diese Erfahrung von zwei Finalspielen um die Meisterschaft gegönnt. Miriam Simakova war lange verletzt und findet erst langsam zurück. Agnieska Tobiasz ist mit einer Knöchelverletzung leicht angeschlagen, und Steffi Ofenböck laboriert an einer Viruserkrankung und konnte die ganze Woche nicht trainieren. Ich hoffe sie kann spielen.

Wie sehr belastet die ungewisse Zukunft und aktuelle Lage in Nürnberg ihre Mannschaft?

Herbert Müller:
Die Situation ist inzwischen für uns unerträglich. Man kann so etwas sicher eine Zeit lang aushalten, aber was wir schon seit Wochen durchmachen belastet alle extrem. Ich hoffe meine Mannschaft kann sich auf das Finale konzentrieren und einmal das ganze Lizenzchaos wenigstens für die zwei Spiele vergessen. Gleichzeitig kann ich nur den Hut vor meinen Spielerinnen ziehen, wie sie bis jetzt die Situation gemeistert haben.

Sie werden vor allem von Ligarivalen Trier umworben, können Sie uns etwas zu Ihrer Zukunft sagen?

Herbert Müller:
Ich möchte mich jetzt erst einmal auf die beiden Endspiele konzentrieren, darauf habe ich mit meiner Mannschaft ein ganzes Jahr hingearbeitet. Die Zeit wird alles andere entscheiden.

Ihre Wünsche für die beiden Endspiele?

Herbert Müller:
Ich hoffe auf auf zwei sportlich hochklassige Spiele, spannende Spiele, und das wir am Ende die Nase vorne haben und die Meisterschale hoch halten.

Im Gegensatz zu den Herren gibt es bei den Frauen nur einen Pokal für die Meisterschaft und keine Meisterschale zum Hochhalten.

Herbert Müller:
Stimmt ja, das sollte man aber auch dringend mal ändern. (lacht)


Autor: hbfv.de
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