Nürnberg verteidigt Spitze mit Sieg in Trier - Leverkusen vor Halbfinale im EHF-Pokal

Michaela Seiffert / Saporoshje

Michaela Seiffert überzeugte bei der knappen Leverkusener Niederlage in Saporoshje - Foto:sportseye.de

Mit dem 1. FC Nürnberg und dem HC Leipzig gewannen die beiden Topteams ihre Auswärtsspiele an diesem Wochenende in Trier beziehungsweise beim Thüringer HC. Während die vier Play-off-Teilnehmer mit Nürnberg, Leipzig, Leverkusen und Trier nun vorzeitig feststehen, ist die Abstiegsfrage noch vollkommen offen. Einen schweren Rückschlag erlitt dabei Dortmund, das in Ketsch nur zu einem 28:28 kam, Frisch Auf Göppingen gelang mit dem 29:26 gegen Oldenburg unterdessen ein wichtiger Sieg. Die Göppingerinnen sind nun punktgleich mit dem Buxtehuder SV, der sich am heutigen Montag von Trainerin Heike Axmann trennte. Auf internationalem Parkett setzte Bayer Leverkusen unterdessen zum Sprung ins Halbfinale des EHF-Cups an, die 26:27-Hinspielniederlage in Saporoshje eröffnet dem Bundesligisten alle Chancen für das Rückspiel.

Am Dienstag hatte Bayer Leverkusen mit 29:22 gegen den Buxtehuder SV seine Pflicht in der Bundesliga souverän erledigt, am Wochenende folgte der Trip in die Ukraine. Vor 2.500 frenetischen Zuschauern lag die Mannschaft von Renate Wolf nach zwanzig Minuten sogar mit drei Toren in Führung und nahm ein 14:12 mit in die Kabinen. Zu einem Sieg reichte es am Ende nicht, Saporoshje behielt mit 27:26 knapp die Oberhand, Renate Wolf war dennoch zufrieden: "Wir haben nun alle Möglichkeiten, am kommenden Samstag in eigener Halle alles klar zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Ein Tor Rückstand ist im Handball praktisch nichts." Sehr auffällig agierte Michaela Seiffert, der acht Treffer gelangen, und die auch ansonsten immer Gefahr ausstrahlte. Auch Anne Müller hinten und vorne stark und Lyn Byl, die in der Deckung ordentlich zupackte, verdienten sich ein Sonderlob.

Im Derby zwischen dem Thüringer HC und dem HC Leipzig fiel unterdessen in der Bundesliga die Entscheidung über die Play-off-Teilnahme. Der Thüringer HC verlor am Ende 26:33 und hat nun bei noch zwei zu absolvierenden Spieltagen, einem Rückstand von vier Punkten und einer um 97 Tore schlechte Tordifferenz lediglich theoretische Chancen noch an Trier vorbeizuziehen. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase setzte sich Leipzig von 4:3 auf 9:4 ab, doch bereits zur Halbzeit hatten die Hausherren vor 1.100 Zuschauern in der ausverkauften Salza-Halle zum 14:13 getroffen. Auch nach dem zwischenzeitlichen 19:14 kämpfte sich der THC wieder auf 23:21 heran, doch der HCL zeigte in der Folge wieder seine Klasse, zog auf 29:22 davon und gewann 33:26. "Wir mussten nach 15 Minuten auf Saskia Mulder verzichten, spielten ab 30. Minute ohne Nadine Härdter und ab 40. Minute dann auch noch ohne Julia Jurack. Das hat die Aufgabe ungleich schwerer gemacht", zeigte sich THC-Coach Dago Leukefeld trotz der Niederlage nicht enttäuscht. "Der THC hat gut gekämpft - hier stand heute eine gute Mannschaft auf dem Parkett. Unsere Mannschaft hat eine sehr gute Abwehrleistung gezeigt, Vilma Gainskyte hat sehr stark gehalten", analysierte unterdessen HCL-Coach Morten Arvidsson.

Über die Tabellenführung durften sich die Leipzigerinnen aber nur kurz freuen, bereits am Abend zog der 1. FC Nürnberg wieder vorbei. "Man möchte sich kaum vorstellen, was möglich wäre, wenn wir unseren kompletten Kader zur Verfügung hätten", spielte "Mane" Skercevic nach Spielende auf die personellen Probleme seiner Trierer Mannschaft an, die aber dennoch die Gäste aus Nürnberg und die 1.500 Zuschauer in Trier mit einem 9:4-Blitzstart überraschte. Vor allem Oxana Pal setzte dabei an ihrem 27. Geburtstag die entscheidenden Akzente. Nürnberg ließ sich aber nicht abschütteln und hatte beim 18:17-Halbzeitstand den Anschluss bereits wieder hergestellt. Vor allem dank der Treffer von Franziska Beck konnte Nürnberg ab der vierzigsten Minute das Kommando übernehmen und am Ende dank der größeren Kraftreserven mit 36:32 gewinnen. "Was wir geleistet haben, war Werbung für den Handball. 40 Minuten lagen wir vorn, aber vier Ausfälle sind für uns nicht zu kompensieren. Ich bin stolz auf meine Mannschaft", so Skercevic und sein Gegenüber Herbert Müller ergänzte: "Das war heute höchstes Niveau und ein Kampfspiel. Auch das gehört zum Spitzenhandball dazu."

Im Mittelfeldduell gegen die HSG Blomberg-Lippe feierte der Frankfurter HC unterdessen einen souveränen 35:26-Erfolg. Dank der Paraden von Katja Schülke, die am Spieltag ihren 23. Geburtstag feierte, und einer guten Deckungsleistung legten die Gastgeber ein schnelles 6:1 vor. "Die Startphase war wichtig für unser Selbstvertrauen, da haben sich die Mädels frei gespielt", freute sich FHC-Coach Dietmar Schmidt. Bereits beim 13:3 betrug die Differenz zehn Tore, bevor die Blombergerinnen ins Spiel fanden und die Begegnung ausgeglichen gestalten konnten. Am Abstand änderte sich bis zum Spielende unterdessen wenig, dank der Treffer von Nadgornaja und Große blieb die Differenz am Ende aber zumindest im einstelligen Bereich.

Während Blomberg weiterhin drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze hat, gelang es der TSG Ketsch nicht den Abstand zu vergrößern. Stattdessen schien Tabellenschlusslicht Borussia Dortmund der erhoffte Befreiungsschlag zu gelingen. Ketsch führte zwar schnell mit 5:2, doch mit drei Toren in Folge glich Dortmund umgehend aus. In der vierzigsten Minute brachte Svenja Spriestersbach die Gäste dann mit ihrem Tor zum 17:16 erstmals in Führung. Ketsch antwortete mit drei Toren in Folge, doch Kliewe brachte Dortmund beim 25:24 wieder in Front. Die Ketscherin Friederike Gubernatis erhielt bei diesem Aktion zudem eine Zeitstrafe, die Borussinnen schienen dem wichtigen Auswärtssieg nah. Doch Ketsch traf durch Brückmann in Unterzahl und glich durch zwei von Astrid Wörner verwandelte Siebenmeter auch die erneuten Dortmunder Führungen durch Kliewe und Spriestersbach aus. In dem Thriller legte Spriestersbach wieder vor, doch Gubernatis gelang der erneute Ausgleich. Über drei Minuten waren zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen, doch ein weiterer Treffer sollte keiner Mannschaft mehr gelingen.

Der erhoffte Befreiungsschlag gelang unterdessen Frisch Auf Göppingen, vor 1.800 Zuschauern hielten die Gastgeberinnen die Begegnung gegen den VfL Oldenburg vor allem dank ihrer konsequenten Abwehrarbeit offen. VfL-Coach Leszek Krowicki fehlten unterdessen die Alternativen von der Bank, er musste mit nur drei Rückraumspielerinnen auskommen. Sein Gegenüber Hagen Gunzenhauser musste unterdessen den Ausfall von Jessica Schulz kompensieren, was seiner Mannschaft allerdings glänzend gelang. Katrin Schröder hatte die Hausherrinnen beim 26:25 wieder in Führung geworfen, Martina Fritz setzte die wichtigen Treffer zum 27:25 und 28:26, bevor Inga Frey den 29:26-Endstand markierte. "Wir waren zwar 56 Minuten ebenbürtig, haben dann aber zwei Siebenmeter verworfen und zwei Bälle verloren, mit denen Göppingen natürlich prompt das Spiel entschieden hat", ärgerte sich Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki über die knappe Niederlage. "Wir wollten der Mannschaft 50 Minuten lang alles abverlangen, sie kaputt laufen, sie in der Abwehr und im Angriff ständig fordern und dann die letzten 10 Minuten nutzen um die Partie für uns zu entscheiden. Dass das so geklappt hat, war natürlich auch ein wenig glücklich", freute sich sein Gegenüber Hagen Gunzenhauser unterdessen über die wichtigen Punkte im Kampf um den Klassenverbleib.


Autor: Christian Ciemalla - hbvf.de
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