Quartett Nürnberg, Leipzig, Leverkusen und Trier vor erneutem Play-off-Einzug
In der Champions League bedeutete die 27:30-Niederlage beim
ungeschlagenen Spitzenreiter Larvik HK in Norwegen das endgültige Aus
in der Gruppenphase für den deutschen Meister HC Leipzig, und im Pokal
der Pokalsieger steht der 1. FC Nürnberg nach dem 27:29 gegen den
rumänischen Spitzenclub Oltchim Valcea ebenfalls vor dem Aus. In der
Bundesliga waren beide Teams bereits am Mittwoch aufeinander getroffen.
Nürnberg holte sich dabei mit einem überzeugenden 30:24-Erfolg die
Tabellenspitze in der Liga zurück. Neben Nürnberg und Leipzig steht
auch Leverkusen, nach dem 28:26-Arbeitssieg in Göppingen, sicher in den
Play-offs, auf die auch Trier nach dem 32:26 gegen Dortmund sicher
zusteuert. Im Kampf gegen den Abstieg verbuchte Ketsch mit dem 29:28
gegen Blomberg wichtige Punkte.
"Die Mannschaft hat heute toll gekämpft", zeigte sich HCL-Manager
Kay-Sven Hähner trotz der Niederlage im norwegischen Larvik und dem
damit verbundenen Aus im Europapokal nicht enttäuscht. Gegen Podravka
Vegeta Koprivnica soll im letzten Spiel der Gruppenphase am kommenden
Wochenende nun der erste Sieg folgen. In Larvik hatten die Leipziger
stark begonnen und waren schnell mit 3:1 in Führung gegangen. Die
bislang in der Gruppenphase ungeschlagenen Norwegerinnen übernahmen
dann aber das Kommando, beim 5:4 gingen sie erstmals in Front und
erspielten sich über 7:4, 9:5, 11:6 und 13:7 eine 17:12-Pausenführung.
Leipzig stand in der Deckung gut, doch in der Offensive fanden
Schlüsselspielerinnen wie Rikke Nielsen, Nora Reiche oder Karolina
Kudlacz nicht in das Spiel. Aber auch von einem zwischenzeitlichen
12:20 ließ sich der deutsche Meister nicht beeindrucken und kam noch
einmal auf. Beim 23:19 betrug der Abstand nur noch vier Tore, und auch
als Larvik auf 27:21 davonzog war die Entscheidung noch nicht gefallen.
Else Marthe Soerlie-Lybekk brachten die Gäste auf 27:24 heran, Ulrike
Stange sorgte mit einem Doppelschlag für das 28:26. Inger Sofie
Heieraas erzielte dann mit einem sehenswerten Treffer aus dem Rückraum
aber die endgültige Entscheidung.
Der Sieg über Leipzig am Mittwoch hatte dem 1. FC Nürnberg
Selbstvertrauen für das Duell mit dem rumänischen Spitzenclub Oltchim
Valcea gegeben. Der mit neun Vizeweltmeisterinnen gespickte Club aus
Rumänien konnte zwar nicht sein gewohntes Tempospiel aufziehen, hatte
mit Steluta Luca und Ionela Gilca aber zwei Trümpfe, die stachen. "Das
sind alles Weltklasse-Leute. Da ist im Grunde nicht viel zu entgegen zu
setzen", so Nürnbergs Trainer Herbert Müller anerkennend. Vor 1.200
Zuschauern zeigte bei Nürnberg Ania Rösler erneut eine starke Leistung
und war ein Grund dafür, dass sich die Nürnbergerinnen vom Favoriten
nicht abschütteln ließen und ein 15:15 mit in die Kabinen nahmen. Im
zweiten Abschnitt führte Nürnberg beim 23:22 noch, dann aber verwarf
Christina Rohde freistehend. Die favorisierten Rumäninnen antworteten
mit fünf Toren in Folge und gewannen am Ende verdient mit 29:27. "Wir
haben tollen Handball geboten und ich hätte gern gewonnen, aber es hat
nicht sollen sein", zeigte sich aber auch Müller trotz der Niederlage
nicht unzufrieden.
"Ich bin letztendlich mit dem Ergebnis zufrieden, nicht aber mit
unserer Leistung", zog Leverkusens Trainerin Renate Wolf nach dem
28:26-Pflichterfolg von Vizemeister Bayer Leverkusen bei Frisch Auf
Göppingen unterdessen ein gegenteiliges Fazit. Von der ersten Minute an
zeigten die Gastgeberinnen eine konzentrierte Leistung und ließen sich
nicht abschütteln. Im zweiten Abschnitt übernahm das Team von Hagen
Gunzenhauser nach einem Doppelschlag von Jessica Schulz sogar wieder
die Führung, die die Hausherrinnen bis zum 20:19 verteidigten.
Torhüterin Clara Woltering verhinderte dabei einen deutlicheren
Rückstand und Lena Knipprath, die als Ersatz für Sabine Englert bei
Siebenmetern zum Einsatz kam, gab mit einem ihrer drei gehaltenen
Siebenmeter das Wecksignal. Angeführt von den starken Nadine Krause und
Denisa Glankovicova, aufgrund des Ausfalls von Sabrina Neukamp und
Claudia Bohrmann auf ungewohnter Position auf Rechtsaußen, sicherte
sich der Vizemeister am Ende einen knappen 28:26-Pflichterfolg.
Während Nürnberg, Leipzig und Leverkusen ihr Ticket für die Play-offs
bereits sicher haben, steht hinter der Komplettierung des
Vorjahresquartetts durch Trier noch ein kleines theoretisches
Fragezeichen. Nach dem 32:26-Erfolg gegen Schlusslicht Dortmund hat
Trier aber sechs Punkte Vorsprung auf den fünften Platz, bei noch vier
ausstehenden Spieltagen ein sicheres Polster. Im Mittelpunkt der
Begegnung gegen Dortmund standen dabei zwei Rückkehrerinnen. Dortmund
hatte sich unter der Woche noch mit Irina Pusic verstärkt. Um Pusic
hatte sich auch Trier bemüht, da sich nach dem Ausfall von Laura
Steinbach die personellen Probleme weiter verschärft hatten. Statt
Pusic lief bei Trier gegen Dortmund dann Tatjana Nykytenko auf, die
frühere Leistungsträgerin, die noch in der II. Mannschaft Triers in der
Regionalliga spielt, hatte sich bereit erklärt, bis zum Saisonende
auszuhelfen. Dass beide Spielerinnen Verstärkungen für ihre Teams sind
zeigten sie nicht nur aufgrund von je fünf Treffer. Auch dank Pusic
hielt Dortmund das Spiel vor 1.400 Zuschauern in Trier im ersten
Abschnitt offen. Nach dem 16:14 konnte sich Trier aber entscheidend
absetzen. Angetrieben von der erneut glänzend aufgelegten Maren
Baumbach zog Trier auf 27:19 davon und gewann am Ende verdient mit
32:26.
Nicht nur ohne Pusic sondern auch ohne Milica Danilovic war unterdessen
der VfL Oldenburg zum Thüringer HC gereist. Sowohl mit Pusic, wie auch
mit Danilovic hatte sich der Verein auf eine Vertragsauflösung
geeinigt. Die Negativserie von sechs Pflichtspielniederlagen in Folge
konnte Oldenburg aber auch beim Thüringer HC nicht stoppen, dennoch zog
VfL-Coach Leszek Krowicki ein positives Fazit: "Kämpferisch bin ich mit
meiner Mannschaft zufrieden." Vor 990 Zuschauern hatte sich der
Thüringer HC ein schnelles 5:1 erspielt, doch Oldenburg kämpfte sich
wieder heran. Mehrfach aber vergaben die Oldenburgerinnen die sich
bietende Chance zum Ausgleich, so auch beim Stand von 25:26 als Dagmara
Kowalska im Gegenstoß nur die Latte traf. Auf der Gegenseite sorgte
Julia Jurack mit einem verwandelten Siebenmeter für die endgültige
Entscheidung. "Die Mannschaft hat in den ersten zwanzig Minuten sehr
konsequent und sachlich gespielt. Die Kraftfrage in der zweiten Hälfte
wurde dann mit einem unbändigen Willen wettgemacht", freute sich
THC-Coach Dago Leukefeld.
Vollends sicher ist der Klassenverbleib der Oldenburgerinnen
unterdessen noch nicht, denn die Teams aus dem Tabellenkeller punkten
weiterhin. Mit einem wichtigen 29:28 (13:14) gegen die HSG
Blomberg-Lippe machte an diesem Wochenende die TSG Ketsch einen
weiteren Schritt in Richtung Klassenverbleib. Die Gastgeberinnen hatten
in die umkämpfte Begegnung den besseren Start, doch beim 8:10 führten
die Blombergerinnen mit zwei Toren. Die junge Marlene Zapf sorgte in
Unterzahl kurz vor dem Seitenwechsel für den 13:14-Anschlußtreffer und
ein wichtiges Signal. Ketsch nahm diesen Schwung mit in den zweiten
Abschnitt, eine 5:1-Serie brachte eine 18:15-Führung. Blomberg zeigte
sich weiterhin gleichwertig, doch Ketsch gab die Führung nicht mehr aus
der Hand. Spätestens das 29:26 von Rechtsaußen Svenja Huber sorgte auf
den Tribünen dann für Erlösung. Blomberg stemmte sich in den
verbleibenden zwei Minuten noch einmal gegen die Niederlage, doch die
Zeit reichte nur noch zum Anschlusstreffer.
Autor: Christian Ciemalla - hbvf.de