Wir haben international eine Duftmarke gesetzt
Durch den Sieg im Hinspiel gab es für die Handballdamen von Bayer 04 eine kleine Hoffnung auf das EHF-Finale. Das Rückspiel in Russland wurde aber mit 27:32 gegen Zvezda Zvenigorod verloren und somit sind die TSV-Elfen im Halbfinale ausgeschieden.
Nach der Rückkehr aus Russland sprachen wir mit Trainerin Renate Wolf.
Renate, wenn man im Halbfinale steht, möchte man natürlich auch den letzten Schritt machen und ins Finale einziehen. Was überwiegt jetzt mit ein wenig Abstand: Die Enttäuschung oder der Stolz?
Naja, wir hatten die Gelegenheit auf den Händen. Vier Minuten vor Schluss lagen wir mit drei Toren hinten. In der Gesamtabrechnung fehlte uns also ein Tor, aber wir haben es einfach nicht geschafft, den entscheidenden Treffer zu erzielen. Klar, am Anfang ist man sehr sehr enttäuscht, aber nach einer Zeit kommt die Erkenntnis, dass wir den absoluten Topfavoriten geärgert haben. Das macht uns dann natürlich auch ein wenig stolz – (schmunzelt) aber erst ein wenig später.
Zur Halbzeit stand es 17:17, eine durchaus gute Ausgangslage für die zweite Hälfte. Doch nach der Pause habt ihr zehn Minuten kein Tor gemacht. Schon eine Erklärung, was da passiert ist?
Ja, wir haben immer mal Probleme aus der Pause zu kommen. Man muss aber sagen, dass wir die gesamte Spielzeit Schwierigkeiten hatten, im formierten Angriff ein Tor zu erarbeiten. Die russische Abwehr stand wesentlich besser als im Hinspiel.
Was hat denn am Ende den kleinen Unterschied ausgemacht?
Uns war klar, dass die Russinnen nicht noch mal so schlecht spielen werden, wie sie das in Leverkusen getan haben. Das bedeutete für uns, dass wir nicht nur die gleiche Leistung abrufen mussten, sondern auch gegen die ganzen ausländischen Rahmenbedingungen ankämpfen mussten. Ich weiß nicht, ob es am Ende Erfahrung, Glück oder entsprechendes technisches Vermögen war. In der Schlussphase haben sie ihre Chancen eben eiskalt ausgenutzt. Wir standen in den letzten Minuten vier Mal frei vor der Kiste und sind an der Torhüterin gescheitert – das ist der Unterschied.
Alles in allem, wie fällt dein Europapokal-Fazit aus?
Meine Mannschaft hat alles gegeben. Es war keine dabei, die nicht alles abgerufen hat und da mach ich niemanden einen Vorwurf. Ich denke, dass wir mit dem Hinspielsieg und mit der Leistung in Russland international eine Duftmarke gesetzt haben, die jeder wahrgenommen hat. Darauf können nicht nur die Spielerinnen stolz sein, sondern auch der ganze Verein.
Während des Spiels in Russland fiel Michaela Seiffert verletzt aus. Was ist da passiert?
Sie hat einen Schlag ins Gesicht bekommen. Inklusive dicker Lippe hat sie einen sehr wackligen Zahn in der Front. Ich hoffe, dass der Zahn noch zu retten ist.
Schon vor dem Spiel war klar, dass Yvonne Fillgert (im Hinspiel 6 Tore) ausfällt. Was ist mir ihr?
Yvonne hat sich im Abschlusstraining einen Muskelfaserriss zugezogen. Eigentlich mit bei der letzten Übung. Sie konnte nicht mehr sprinten und Dr. Frühn diagnostizierte direkt einen kleinen Riss. Wir haben dann mit Bandagen und so alles probiert, aber der Schmerz war zu groß. Ob sie fürs Halbfinale um die deutsche Meisterschaft wieder fit sein wird, wird sich in den kommenden Tagen rausstellen.
Da sind wir schon bei der nächsten Aufgabe. Das Halbfinale gegen Leipzig um die deutsche Meisterschaft. Drei richtig gute Halbzeiten gegen Zvezda Zvenigorod – wie viel Selbstvertrauen gibt das nun?
Ich hoffe viel. In erster Linie müssen wir nun die
Enttäuschung abarbeiten und die erbrachte Leistung in ein anderes Licht
stellen. Das dauert ein zwei Tage, aber dann konzentrieren wir uns auf Leipzig.
Wir werden versuchen die Leistung aus den beiden Europapokalspielen wieder
abzurufen. Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Leistung gute Chancen haben,
um im Halbfinale bestehen zu können.
Das Hinspiel im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen Leipzig steigt am 2. Mai um 19.30 Uhr in der Ulrich-Haberland-Halle. Das Rückspiel am 6. Mai um 15 Uhr in Leipzig.
Autor: Christian Schulze